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Der Kalender

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Das Wort „Kalender“ entstammt dem lateinischen Calendarium (Schuldbuch). Dies war ein Verzeichnis der Kalendae, der jeweils ersten, auszurufenden (calare „ausrufen“) Tage der antiken Monate. An diesen wurden Darlehen ausgezahlt und Darlehensrückführungen sowie Zinsforderungen fällig.

Demnach bezeichnet das lateinische Wort "calendae" den ersten Tag des Monats.

Es gibt verschiedene Kalendersysteme. Ein Beispiel ist der im deutschen Sprachraum heute überwiegend gebräuchliche Gregorianische Kalender.

Kalender gibt es in verschiedenen - gedruckten, bebilderten, elektronischen - Formen (Kalendarium).

Die Regeln zur Aufstellung von Kalendern ergeben sich aus astronomischen Gegebenheiten (Mondphasen, Sonnenjahr) und entsprechenden Kalenderberechnungen. Die wissenschaftliche Kalenderkunde ist ein Teilgebiet der Astronomischen Chronologie. Die vorwissenschaftliche Kunst, Kalender zu erstellen, nennt man Hemerologie.

Der französische Philosoph Voltaire (1694-1778) prägte unser Verständnis vom Kalender: ein Schema, das längere Zeiträume ordnet, zum Beispiel indem es Tage zu Wochen, Monaten und Jahren zusammenfasst.

Verschiedene Kulturen haben diese Zeiträume jedoch unterschiedlich geordnet. Der Grund hierfür ist, dass es drei wesentliche kalendarische Größen gibt: den Tag (bestimmt durch die Erdrotation), den Monat (bestimmt durch den Mondumlauf um die Erde) und das Jahr (bestimmt durch den Erdumlauf um die Sonne). Diese drei Größen stehen in keinem einfachen mathematischen Zusammenhang und besitzen keinen gemeinsamen Teiler:

  • Ein mittlerer Sonnentag hat 24,0 Stunden. In diesem Zeitraum dreht sich die Erde einmal um die eigene Achse.
  • Ein synodischer Monat hat 29,5306 Tage und damit 708,7 Stunden. Als synodischen Monat bezeichnet man die Zeit, die vergeht, bis der Mond wieder die Phase des Ausgangspunktes erreicht, also zum Beispiel die Zeit, die von einem Vollmond bis zum nächsten vergeht.
  • Ein tropisches Jahr ist der Zeitraum, den die Sonne braucht, um von Frühlingspunkt zu Frühlingspunkt zu wandern. Das tropische Jahr hat 365,2422 Tage und damit 12,4 synodische Monate.

Alle drei Größen sind nicht einmal Konstanten, sie sind vielmehr kurz- und langfristigen Veränderungen sowie periodischen Schwankungen unterworfen. Im Folgenden stellen wir die Kalender vor, die in der westlichen Welt die gebräuchlichsten sind und die größte Rolle spielen: der islamische, der jüdische und der christliche Kalender.

Schon im Altertum (4000 Jahre vor Christus bis ca. 700 Jahre nach Christus) versuchte man, die Zeit einzuteilen. Man zählte die Vollmonde. Das heißt, von einem Vollmond bis zum nächsten Vollmond war ein Monat.

Auch damals hatte das Jahr 12 Monate, da ein Mondmonat aber nur 29 oder 30 Tage hat, war das Jahr nur 354 Tage lang. (Unser Jahr hat 365 Tage). Das heißt, den alten Römern "fehlten" ein paar Tage.  Diesen Zeitunterschied glichen die Römer gelegentlich durch einen 13. Monat aus.

Für diesen Monat musste auch Steuer bezahlt werden. Vielleicht kommt daher die Zahl 13 als Unglückszahl.

Trotzdem stimmte ihre Zeitrechnung immer noch nicht ganz.

zodiak_160Das Sternenjahr
Genau genommen gibt es noch ein "anderes" Jahr: das Siderische (Sternenjahr).
Es umfasst die Zeit für einen vollen Erdumlauf um die Sonne, aber mit Bezug auf einen Fixstern: Wenn ein bestimmter Stern wieder an derselben Stelle am Himmel steht, ist ein Siderisches Jahr vergangen.

Sonnen- und Sternenjahr weichen voneinander ab, weil die Lage der Erdachse und damit die Ausrichtung zu den Sternen variiert.
So war das Sonnenjahr 2000 beispielsweise 365 Tage, fünf Stunden, 48 Minuten und 45 Sekunden lang, das Sternenjahr 2000 dauerte 20 Minuten und 24,5 Sekunden länger.

Sonne, Mond und Sterne spielen im akkuraten Zahlenwerk der Astronomen also nicht so mit, wie es die Experten für Maße und Zeitmessung (Metrologen) gerne hätte.

Die Gestirne folgen ihrem eigenen Lauf, kalendarisches und astronomisches Jahr weichen voneinander ab - und daraus entsteht eine wachsende Zeitdifferenz.

pyramide_160Diese Abweichungen waren schon den alten Ägyptern aufgefallen.
So gingen die Priester und Astronomen der Pharaonen daran, einen einheitlichen Kalender zu erstellen.
Sie teilten die 365 vollen Tage des Sonnenjahres auf zwölf Monate auf. Übrig blieb ein Viertel Tag.

Aber auch für dieses Problem fanden sie eine Lösung:
Im Jahre 238 vor Christus ordneten die ägyptischen Herrscher durch ein Dekret an, dass alle vier Jahre ein zusätzlicher Tag im Kalender zu erscheinen habe. Der Schalttag und das Schaltjahr waren geboren.

caesar_160Eine Lösung, die den römischen Imperator Julius Cäsar tief beeindruckte.
Als er im Jahre 46 vor Christus den römischen Kalender reformierte, griff er auf die ägyptische Lösung zurück.
Zwar konnte man den julianischen Kalender, wie er nach dem ersten Mann in Rom benannt wurde, als genial bezeichnen, aber leider war auch er nicht perfekt. Das julianische Jahr wich um rund elf Minuten vom astronomischen Jahr ab.

Nicht viel, zugegeben, aber das christliche Abendland, das den Kalender des Cäsaren übernahm, hatte im Laufe der folgenden Jahrhunderte immer schwerer zu tragen an den "paar Minuten". Sie summierten sich auf, und die Jahreszeiten drohten sich zu verschieben.

Und mit ihnen wären auch die daran orientierten Feste durchs Jahr gewandert. Wollte man also Ostern nicht zu der Zeit der kürzesten Tage und längsten Nächte feiern und Weihnachten nicht im meteorologischen Spätsommer, musste es eine Lösung geben.

gregor_xiii_380Papst Gregor führte daher eine Besserung ein. Mit seinem Gregorianischen Kalender kürzte er das Jahr 1582 um 10 Tage.

So folgte dem 4. Oktober im Jahre 1582 der 15. Oktober, um diesen Unterschied von zehn Tagen zu korrigieren.

Seither hat ein Jahr 365 Tage, jedes 4. Jahr folgt ein Schaltjahr mit 366 Tagen  durch Einfügen des 29.Februars.

Die Regel für die Schaltjahre wurde so abgeändert, dass alle nicht durch 400 teilbaren vollen Jahrhundertjahre keine Schaltjahre sein sollten.
Die Jahre 1700, 1800, 1900 und 2100 wurden nun Normaljahre, während 1600 und 2000 Schaltjahre blieben.
Damit haben nun 400 Jahre insgesamt 146097 Tage, was eine mittlere Jahreslänge von 365,2425 Tagen ergibt.

Der nun noch vorhandene Fehler gegenüber der tatsächlichen Jahreslänge beträgt erst in über 3000 Jahren einen Tag.
Außerdem verfügte Papst Gregor XIII., dass der Gregorianische Kalender keine rückwirkende Gültigkeit erhalten solle.
Der neue Kalender wurde zu dem von Papst Gregor XIII. bestimmten Termin nur in den Ländern Spanien, Portugal und dem größten Teil Italiens eingeführt.

In den übrigen katholischen Ländern Europas wurde er 1583 und 1584 eingeführt.
Zunächst weigerten sich die protestantischen Länder Deutschlands, den neuen Kalender einzuführen und blieben noch bis etwa 1700 beim Julianischen Kalender.
Dann wurde ein so genannter "Verbesserte Kalender" eingeführt, der sich vom Gregorianischen Kalender durch die Berechnung des Osterfestes unterschied.
Erst seit den Jahre 1776 bestimmen in Deutschland evangelische und katholische Christen Ostern auf die gleiche Weise.
Als bisher letzter Staat übernahm die Türkei im Jahre 1926 den gregorianischen Kalender. Dort hatte bis dahin der islamische Kalender gegolten.
Die nicht zeitgleiche Einführung des gregorianischen Kalenders in den verschiedenen Ländern sorgte für Verwirrung, führte aber auch zu sehr seltsamen Tatsachen.
So sind sowohl William Shakespeare als auch Miguel de Cervantes (er war ein spanischer Schriftsteller, der vor allem aufgrund seines Werks "Don Quijote" berühmt war) am 23. April 1616 gestorben, obwohl Shakespeare Cervantes um 11 Tage überlebt hat.
Auch die Feiern zum Geburtstag von George Washington wurden teilweise am 11. und am 22. Februar ausgerichtet, bis es zu einer bundesgesetzlichen Feiertagsregelung kam.

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